Last update: 26.02.2011

   
       
  Chorregeln 2015
 
Eine nicht  ganz Ernst  gemeinte
Idee: Gerhard Thiele
   
 
   
   
   
     
  § 1 Vom Wesen einer Chorprobe  
     
  Eine Chorprobe ist zunächst und zu allererst im Grundsatz ein soziales Ereignis, welches vorzugsweise dem Austausch von Neuigkeiten zwischen den Chormitgliedern und den Chorohnegliedern dient.
Darin eingeschlossen sind fachkundige Bemerkungen über Stoffe, in die der Chorleiter sich gerne kleidet, den Werdegang eigener oder fremder Kinder und deren Aussichten auf dem Arbeits- und Heiratsmarkt.
Die Chorprobe verpflichtet den Chor zur ständigen Kontrolle des Chorleiters. Auf mehrmaliges höfliches Verlangen desselben kann im begründeten Ausnahmefall auch das eine oder andere Stück gesungen werden.
Der Besuch der Chorprobe ist für den Chorleiter ein Muss, für den Sopran im Allgemeinen freiwillig, Tenor und Bass kommen nach Belieben, der Alt entsprechend seines Alters.
 
     
  § 2 Von der Beginnzeit  
     
  Die angesetzte Zeit für den Beginn der Probe ist für den Chorleiter verbindlich, für die Chormitglieder lediglich ein ungefährer Anhaltspunkt. Das gleichzeitige Eintreffen der Chorsänger ist unbedingt zu vermeiden, es empfiehlt sich ein gestaffeltes Eintreffen, wobei sich Abstände von etwa drei Minuten als besonders günstig erwiesen haben.
Bei jedem Neuankömmling wenden sich die bereits Versammelten kurz dem Neuankömmling zu und diskutieren Tatsache und vermutliche Begründung der Verspätung unter der hypothetischen Annahme, man würde den Zuspätkommer tatsächlich fragen. Dies hat allerdings zu unterbleiben, sind so doch viel mehr Gesprächsanlässe gegeben. Kurz: hier sind den Vermutungen absoluter Vorrang einzuräumen.
 
     
  § 3 Vom Ziel der Probe  
     
  Eine Probe kann definitionsgemäß als erfolgreich gelten, wenn wenigstens eine der drei folgenden Bedingungen gegeben ist:
  • mindestens ein Drittel der Sänger einer jeden Stimmgruppe bei mindestens einem Drittel der Proben anwesend war,
  • mindestens ein Drittel der Sänger einer jeden Stimmgruppe nach der Probe weiß, was bei der nächsten Aufführung gesungen wird,
  • nicht mehr als die Hälfte der für die nächste Aufführung vorgesehenen Stücke vom Programm abgesetzt werden muss.
 
     
  § 4 Von der Durchführung der Probe und deren Wiederaufnahme  
     
  Bei der Probenarbeit hat der Leiter die kommunikativen Grundbedürfnisse der Sänger in angemessener Weise zu berücksichtigen. Sollte eine Unterbrechung notwendig werden, hat der Chorleiter ohne jedes "Stör' ich?" abzuwarten, bis Ursache und Perspektive der Unterbrechung in Gänze geklärt sind. Sollte der Chor irrwitzigerweise die Meinung des Chorleiters einholen wollen, so fasse dieser sich kurz.
Nach jeder Unterbrechung erfragt der Chorleiter bei den Stimmsprechern, an welcher Stelle eingesetzt werden soll. Hier gilt eine qualifizierte Mehrheit der Stimmsprecher. Danach tritt der Chorleiter vor jeden Sänger hin und gibt diesem in freundlichem Ton Stück, Seite, System und Taktzahl bekannt; auf Wunsch auch mehrmals.
 
     
  § 5 Vom Verlauf der Probe  
     
  Die Einstudierung eines Stückes beginnt jeweils grundsätzlich und immer mit dem ersten Takt. Die holländische Unartvariante, mit irgendwelchen Takten, gar mitten im Stück zu beginnen, muss nicht nur aus chorpädagogischer, sondern insbesondere aus kommunikativer Sicht strikt abgelehnt werden.

Mundgeruch, Rücksichtnahme und Einbeziehung der Distanzblase verbieten auch, dass die Chorsänger den Leiter unverwandt ansehen, gar anstarren - Blickkontakt ist in der Probe schlicht untersagt. Nur so kann der Leiter die - für ihn - heiklen Stellen wie Tempowechsel, Einsätze, Fermaten und vor allem die Hemiolen sicher meistern. Dabei kann und darf er nicht gestört werden. Blickkontakt kann frühestens als Endesignal für die Probe vereinbart werden.

 
     
  § 6 Von der Auswahl und der angemessenen Interpretation von Stücken  
     
  Die Auswahl der Werke ist zunächst Bringschuld des Leiters, kann aber nur als Vorschlag gelten, der mit einfacher Mehrheit der zufällig anwesenden Chormitglieder abgewandelt werden kann.  Dabei hat jeder Bass vier Stimmen, Sopran und Alt je zwei, der Tenor eine Stimme.

Der interpretatorische Ansatz des Chorleiters ist ausschließlich zur Meinungsbildung gedacht, darf die Arbeit eines erfahrenen Chors jedoch nicht einschränken.
In unklaren Fällen wird die Tempowahl entweder durch Akklamation oder dadurch festgelegt, das der Chor den ersten Takt allein singt, bis der Leiter das vom Chor angeschlagene Tempo sicher abnehmen kann.

Auch die Dauer von Notenwerten darf nicht in das Belieben des Leiters gestellt werden. In hartnäckigen Fällen von Unstimmigkeit kann der Chor den Chorleiter bis in die Aufführung hinein durch deutliches Aussprechen des Schlusskonsonanten auf seinen Irrtum hinweisen.

 
     
  § 7 Vom Notenmaterial und der Notenbibliothek  
     
  Das Notenmaterial ist schonend zu behandeln und darf nicht etwa durch Bleistiftkritzeleien verunziert werden.
Wenn es denn sein muss, wird mit kräftigen Farben (Gelb-, Rot- und Grünmarker sind die Wahl der Stunde) gearbeitet. Farbige Vielfalt weist auf einen kommunikativen und farbigen Chorsängercharakter hin. Die Noten sind in der Regel unabhängig von einem möglichen Heimstudium mit nach Hause zu nehmen, dort entsprechend ihrer Bedeutung neben dem Probenplan im Tresor einzuschließen.
 
     
  § 8 Periodische Eignungsprüfung  
     
  Mindestens einmal im Quartal setzt der Chor ohne Wissen des Leiters eine Extremprobe an. Sie dient der charakterlichen Überprüfung des Chorleiters wie seiner fachlichen Weiterentwicklung als auch der fortlaufenden Schulung im Umgang mit einem Shanty-Chor. In der Probe davor werden durch Los aus dem Kreise der als sicher bekannten Chorsänger mindestens 20 Freiwillige bestimmt, die zur Extremprobe verbindlich nicht erscheinen. Extremproben sind in zeitlich unmittelbarem Zusammenhang mit Aufführungen zu platzieren.

Sollte der Chorleiter Extremproben ohne erkennbare Zusammenbrüche überstehen, so ist ihm mit dem fünfzigsten Geburtstag in einer kleinen Feierstunde ein Zertifikat mit dem Titel "Extremproben-qualifiziert" zu überreichen.

Ansprüche an eine Gehaltserhöhung entstehen aus diesem Zertifikat natürlich nicht.

 

-Ende-